Bioherz_Blogbeitrag_Oktober_Herbstbeginn

Souvenirs wie damals

Herbstgedanken über Gänseblümchen, die Macht von Fotos und die Suche nach Zufriedenheit

Imposante Berglandschaften, einsame weiße Buchten, coole Strandbars, herausfordernde Bergpässe oder glasklare Bergseen. Ein Highlight folgt dem nächsten. Das Leben wird zu einer schrillen Fahrt von Höhepunkt zu Höhepunkt. Die Souvenirs aus den Ferien sind dann Fotos in Echtzeit in den Sozialen Medien, die man vermeintlich großzügig mit anderen teilt, um das Erlebnis kostbarer zu machen – für sich und für das Ego. Gerne erinnere ich mich an früher, wahrscheinlich eine Folge des Älterwerdens. Da brachte mir meine Oma eine aus Muscheln gebastelte Schildkröte aus Italien mit, meiner Schwester nahm ich einen Skarabäus aus Ägypten mit, meine Eltern schenkten mir eine Barbie-Puppe vom Neusiedlersee. (Weiß der Himmel wie sie das gemacht haben…) Dann haben wir unsere Urlaubsfilme zur Entwicklung in den Drogeriemarkt gebracht und ein bis zwei Wochen gehofft und gebangt – um die Urlaubserinnerungen. Aus diesen kostbaren, persönlichen Erfahrungen habe ich schließlich sorgfältig ein Fotoalbum gemacht. Für mich.

Für all das Erleben, Hoffen und Basteln habe ich keine Likes, Sternchen, Flammen oder Herzchen eingesammelt.

Im Grunde habe ich diese Bewahrung meiner Erinnerungen nur für mich selbst gemacht. Großartig fühlte ich mich natürlich, wenn eine meiner Freundinnen Interesse an meinem Album hatte, und es sich in Ruhe angesehen hat. Wenn jemand keine Urlaubsfotos hatte oder meine nicht sehen wollte, war es auch nicht schlimm. Wir erdrückten einander nicht mit dem Anspruch, dass wir aus jeder Minute unseres Lebens etwas Besonderes machen müssen. Es war ein Leben halt. Hin und wieder gings mir schlecht, dann wieder gut, ab und zu sehr gut. Bei den anderen wars auch so. Niemandem ging es immer nur gut.

Manchmal entsteht in unserer Zeit der Eindruck, dass ein Leben eine Aneinanderreihung von Besonderheiten sein sollte.

 Oder haben Sie schon einmal jemandem ihr wertvolles „Like“ geschenkt, der schrieb: „Mache nichts Besonderes“? Ich frage mich, woher dieser Anspruch kommt? Klar, wir sind alle wertvolle Individuen, alle ausgerüstet mit dem grundsätzlichen Recht auf Glück, Bildung, Gesundheit und Freiheit. Wissen wir, ob in diesem Wert schon die Aufforderung zum Besonderen liegt? Oder macht uns unsere Grundausstattung nicht ohnehin zu etwas Besonderem? Jedoch eher in dem Sinne, dass auch ein Auftrag darin liegt? Schauen wir in die vergangenen Jahrhunderte, oder einfach nur ein wenig über den Tellerrand, so merken wir, dass genau diese grundsätzlichen Rechte gar nicht so selbstverständlich sind.

Ich frage mich, würde es nicht einfach genügen, zu leben und etwas Gutes daraus zu machen?

Muss es das Beste, das Großartigste, das Imposanteste, Verrückteste sein? Was würde geschehen, wenn der Anspruch an das Besondere einem stillen Versuch weichen würde, das Leben für sich und die anderen gut zu gestalten. Ist GUT ein zu wenig großartiges Wort? Reicht GUT nicht mehr aus, um sich einen Platz in der Gesellschaft zu erobern? Genügt es nicht, zufrieden zu sein? Müssen wir unbedingt zu jeder Zeit zumindest den anderen vermitteln, dass wir ohne Unterbrechung glücklich sind? Mit diesen Fragen bin ich heute, an diesem ersten Herbsttag aufgewacht. Meine Antworten habe ich gefunden. Und das nächste Mal, wenn mich jemand fragt, wie mein Wochenende war, und was ich denn gemacht habe, werde ich antworten: „Gut wars, ich habe mir ein Gänseblümchen von der Nähe angesehen“.

Und jetzt verteile ich mein Lächeln im BioHerz, das finde ich zum Beispiel gut. Vielleicht schließen Sie sich an und verteilen IHR Lächeln, dort wo Sie Gutes wachsen lassen wollen. Wir wünschen Ihnen dabei gutes Gelingen!

Ihr BioHerz – Team

» »